Alice im Wunderland (2009/10)

Der Mehrzweckraum des Joseph-Bernhart-Gymnasiums, kurz vor 20 Uhr; gefüllt bis zum letzten Platz; gespannt warten die Zuschauer auf den Beginn, nachdem StD Luther für die Schulleitung und Sarah Männlein für die Theater AG die Gäste begrüßt haben; der Mittelgang ist beleuchtet, die Bühne mit dem dunkelroten Vorhang verhängt; vor der Spiegelwand am hinteren Ende des Raumes, direkt der Hauptbühne gegenüber, eine zweite kleine Bühne, ein Rasenstück, ein Baum. Musik setzt ein - „Frühling“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ –, Unruhe zwischen den Sitzreihen, als sich Alice und ihre Schwester Dorothy lachend zu fangen versuchen – das Stück „ Alice im Wunderland “ nach Lewis Carroll beginnt.

Sechzehn Schülerinnen entführen das Publikum an diesem Abend für eine gute Stunde in die wunderbare und sonderbare Fantasiewelt, in die Alice durch ein weißes Kaninchen geführt wird. In dieser Zwischenwelt begegnet Alice (ab diesem Punkt dargestellt durch fünf verschiedene Schülerinnen, die an dem gleichen rosa Kleid zu erkennen sind) zahlreichen Gestalten aus ihrer eigenen Lebenswelt (ihrer Mutter und ihren beiden Lehrern) und Gestalten, die eher ihrer Fantasie und ihren Ängsten und Befürchtungen entspringen. Alle bezeichnen sie entweder als dumm oder als unverschämt und lassen Alice zweifeln, wer sie ist, wie sie ist und was sie kann. Zunächst dadurch verunsichert, gewinnt Alice immer mehr Selbstvertrauen und so gelingt ihr, als sie sich wildgewordenen Spielkarten im Wunderland erwehren muss, der Schritt zurück und sie findet sich wieder im Schoß der Schwester auf der Frühlingswiese unter dem Baum – an derselben Stelle wie in der Ausgangsszene, aber nun nicht mehr dieselbe wie zu Beginn des Stückes.

Mit langanhaltendem, begeistertem Beifall bedenken die Zuschauer die außerordentliche Leistung der jungen Schauspielerinnen, denen es gelang, das fast schon ins Surreale reichende Stück mit seinen Wortspielen, Anspielungen und Paradoxien lebendig und gut verständlich darzustellen.

Vor sehr reduzierter schwarzer Kulisse und mit nur wenigen Requisiten, mit fantasievollen und originellen Kostümen traten die Schauspielerinnen, bis zu drei verschiedene Rollen verkörpernd, sehr textsicher und selbstbewusst auf, spielten frei und erkennbar unbeschwert auf, verkörperten in der Tat ihre Rollen, zogen die Zuschauer in ihren Bann.

Die Leiter der Theater AG, Wilfried Schäfer und Katrin Brunhuber, hatten, wie beide betonten, getragen vom nie nachlassenden Engagement der Schülerinnen, mit ihren Mädchen sehr viel Mühe, Zeit, Emotionen und Ideen in die Vorbereitung der Aufführung gesteckt und die Gruppe als Einheit zu einer erstaunlichen Leistung geführt: Mehr als ein normales „Schultheater“ – ein kleiner Kunstgenuss!

Die Schauspielerinnen bedankten sich, wie Alice erlöst und erleichtert über den guten Ausgang und erfreut über den verdienten Applaus (das „Brot des Schauspielers“), bei ihren Zuschauern und den Leitern der Theater AG und baten um eine Spende; auch dies bemerkenswert: die Schülerinnen hatten am Vormittag des Aufführungstages beschlossen, das eingesammelte Geld für Kinder, die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti geworden sind, zu spenden.

 

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